Die richtige Hunderasse für die Jagd: Was gibt es zu beachten?

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Ich interessiere mich schon länger für Hundesport, wobei hier eher Agility, Carni Cross und Mantrailing im Fokus standen. Dabei werden diverse Fähigkeiten Hunde gefordert, was einerseits der Bindung zum Menschen hilft und ihn gleichzeitig artgerecht auslastet.

Dabei viel mir irgendwann auf: Die meisten Fertigkeiten haben die Hunde überhaupt deshalb, weil bestimmte Rassen für die Jagd gezüchtet wurden. Zur Jagd selbst stehen immer noch viele Menschen kritisch, wobei die Aufgaben für den Hund sehr facettenreich sind. Welche Hunderassen auch heute noch für die Jagd eingesetzt werden, beleuchte ich in diesem Artikel.

Welche Arten der Jagd es gibt

Bevor ich mich näher mit bestimmten Rassen für die Jagd auseinandersetze, habe ich zu den unterschiedlichen Formen von Jagd recherchiert. Vermutlich kennt man die Bilder aus Großbritannien, wo eine ganze Meute kleiner Jagdhunde Reiter zu Pferd begleitet. In Deutschland hingegen kennt man eher Begriffe wie Treib- und Drückjagd und sieht praktisch keine Pferde.

Die Hetzjagd auf Füchse in Großbritannien ist nach wie vor erlaubt. In Deutschland hingegen ist die Hetzjagd zu Pferd verboten, bei der Wild durch die Hunde bis zur Erschöpfung gejagt wird, bevor die Reiter eintreffen und es erschießen.
Bei den verschiedenen Formen der Jagd sind die Hunde mit allen Sinnen gefordert und müssen parallel auf ihren Besitzer hören.

Folgende Spielarten der Jagd gibt es, für die es dann jeweils passende Jagdhunderassen gibt:

  • Drückjagd:
    Die Drückjagd gibt es in den Spielarten Riegeljagd, Lappjagd und Lancieren.
  • Treibjagd:
    Diese Jagdvariante kann als Kesseltreiben, Streife, Stand- oder Vorstehtreiben und Scherentreiben oder Hobeln stattfinden.
  • Pirsch
  • Einzeljagd im Ansitz

Wer sich über die facettenreiche Vielfalt der Welt des Jagens rundherum informieren will, der kann auf unterschiedlichen Messen einen guten Gesamteindruck gewinnen. Dort werden keine Hunde gehandelt, dafür erhalt man aber einen sehr guten Eindruck über die Jagd inmitten der Natur.

 Kleine, ausdauernde und unermüdliche Jagdterrier stöbern mit ihrer hervorragenden Nase Wild auf. ( Foto: Shutterstock-Dora Zett )

Kleine, ausdauernde und unermüdliche Jagdterrier stöbern mit ihrer hervorragenden Nase Wild auf. ( Foto: Shutterstock-Dora Zett )

Welche Hunderassen bei der Drückjagd eingesetzt werden

Die Drückjagd in ihren verschiedenen Formen zielt darauf ab, dass die Jäger das Wild an ihren natürlichen Wildwechseln abpassen und dann dort schussbereit auf die Tiere warten. Allerdings lauern hier nicht nur einige Jäger samt Gewehr am Wildwechsel, sondern eine mehr oder weniger große Gruppe von Jägern treibt das Wild gezielt in die gewünschte Richtung.

Bei der Drückjagd kommen unterschiedliche Arten von Jagdhunden zum Einsatz, die häufig noch für eine andere Art der Jagd eingesetzt werden. So können die Treiber ihre jeweiligen Jagdhunde auch bei der Mitarbeit im Rahmen einer Drückjagd einsetzen.

Folgende Rassen werden vielen vielfach bei dieser Form der Jagd eingesetzt:

  • Wachtelhunde:

    Sehr spezielle Rasse, die ausschließlich für den jagdlichen Gebrauch gezüchtet wird. Dieser unermüdliche, unerschrockene, ausdauernde und mittelgroße Apportier- und Stöberhund wird ohne echte Aufgabe unglücklich.

  • Bracken:

    Bracken in diversen Rassen sind mit die ältesten bekannten Jagdhunde. Bis heute sorgt die feine Nase dafür, dass die Tiere perfekt Spuren verfolgen und Fährten ablaufen können. Diese Rassen sieht man außerhalb der Jagd häufig beim Mantrailing.

  • Jagdterrier:

    Kleine, ausdauernde und unermüdliche Jagdterrier stöbern mit ihrer hervorragenden Nase Wild auf. Kleines Wild wie Hasen oder Füchse treiben sie auch gezielt aus dem Bau heraus, in den sie dank ihrer kompakten Körper oft hineinpassen.

    Jagdhunde stehen hoch im Trieb und können stundenlang draußen in der Natur arbeiten. Bevor ein Jagdhund angeschafft wird, sollte sehr gut überlegt werden, wie dieser in einem normalen Alltag ausgelastet werden soll. ( Foto: Shutterstock- ZoranOrcik )

    Jagdhunde stehen hoch im Trieb und können stundenlang draußen in der Natur arbeiten. Bevor ein Jagdhund angeschafft wird, sollte sehr gut überlegt werden, wie dieser in einem normalen Alltag ausgelastet werden soll. ( Foto: Shutterstock- ZoranOrcik )

  • Teckel:

    Hinter der Gruppe der Teckel befinden sich längliche Hunderassen mit kurzen Beinen, die wir als Dackel mit unterschiedlichen Farben und Fellen kennen. Auch sie werden bei der Drückjagd genutzt, wurden allerdings für die Baujagd gezüchtet.

  • Spaniel:

    Der hübsche Cocker Spaniel aus der Werbung ist eigentlich ein echter Jagdhund, den es in unterschiedlichen Rassen gibt. Dabei haben sich mittlerweile Typen und Linien entwickelt, die überwiegend als Familienhund leben und Arbeitslinien. Der Hund mit den charakteristisch langen Ohren sucht Wild und treibt es zum Jäger. Als Spurensucher und Fährtenlautgeber sind diese Rassen ideal.

  • Vorstehhunde:

    Als Vorstehhunde werden in der Jagd sogenannte „Vollgebrauchshunde“ bezeichnet. Diese oft großen Jagdhunde sind für alle Arten der Jagd außer der Arbeit im Bau geeignet. Klassisch nimmt dieser Hundetyp Witterung auf und bleibt wie erstarrt stehen – bis sein Halter ihm ein Kommando zum Ausführen gibt.

Hinter der Gruppe der Teckel befinden sich längliche Hunderassen mit kurzen Beinen, die wir als Dackel mit unterschiedlichen Farben und Fellen kennen. ( Foto: Shutterstock- Adam Puschhaus )

Hinter der Gruppe der Teckel befinden sich längliche Hunderassen mit kurzen Beinen, die wir als Dackel mit unterschiedlichen Farben und Fellen kennen. ( Foto: Shutterstock- Adam Puschhaus )

Pirsch und Einzeljagd mit bestimmten Hunderassen

Bei der Pirsch schleichen sich Jäger bis auf Schussweite an das Wild heran. In Deutschland wird diese Form der Jagd auf Schalenwild (Rehe, Rotwild, Schwarzwild) oder auch auf Enten bis heute betrieben. Die Aufgabe des Hundes besteht hier darin, dem Jäger dabei zu helfen, dem im Wald versteckten Wild auf die Spur zu kommen.

In Fachkreisen wird die Pirsch auch als „Krone der Jagd“ bezeichnet, da hier besonders viele Fähigkeiten erforderlich sind. Sowohl für den Jäger selbst als auch für seinen Jagdhund gehört die Pirsch zu den anspruchsvollsten Varianten.

Für die Pirsch lassen sich Vorstehhunde, Terrier, Bracken und auch Spaniel sowie Retriever abrichten. Dabei muss schon in der Ausbildung der Trieb unterdrückt werden, ohne Aufforderung des Halters dem Geruch in der Nase zu folgen und Wild aufzustöbern.

Der Hund läuft mit dem Jäger bei Fuß das Revier ab. Bleibt der Jäger stehen, muss sich der Jagdhund für die Pirsch sofort neben ihm absetzen. Neben ständigem Halten und Warten muss der Hund dann auf Kommando bereit sein, die „Pirsch voran“ durchzuführen.

Beim Anpirschen darf der Vierbeiner dann immer nur fünf bis zehn Meter vorausgehen und muss dann wieder abwarten. So werden die Sinne des Hundes genutzt, um sich möglichst unbemerkt an das Wild heranzuschleichen. Ist der Jäger in zuverlässiger Schussweite, kommen besonders bei der Entenjagd wasserbegeisterte Retriever zum Apportieren der Beute aus dem Fluss heraus zum Einsatz.

Sowohl Labradore als auch die beliebten Golden Retriever, die heute vielfach als Familienhund leben, sind eigentlich genau für die Wasserjagd gezüchtet worden.
Bei der Einzeljagd wird meist auf einem Ansitz oder Hochsitz durchgeführt und ein Jagdhund ist nicht zwingend erforderlich. Dennoch kann es je nach bejagtem Wild sinnvoll sein, einen Jagdhund einzusetzen. Kleines Wild kann er apportieren oder den Jäger nach dem Verlassen des Hochsitzes gezielt zum erlegten Wild zu führen.

Als Vorstehhunde werden in der Jagd sogenannte „Vollgebrauchshunde“ bezeichnet. Diese oft großen Jagdhunde sind für alle Arten der Jagd außer der Arbeit im Bau geeignet. ( Foto. Shutterstock- Glenkar )

Als Vorstehhunde werden in der Jagd sogenannte „Vollgebrauchshunde“ bezeichnet. Diese oft großen Jagdhunde sind für alle Arten der Jagd außer der Arbeit im Bau geeignet. ( Foto. Shutterstock- Glenkar )

Jagdhunde lassen sich auch nach Einsatzbereich unterscheiden

Als Erdhunde werden im Rahmen der Jagd Vierbeiner bezeichnet, die aufgrund ihrer Größe und ihres Mutes im Bau von Kaninchen, Fuchs oder sogar Dachs eingesetzt werden. Auch zur Nachsuche und beim Stöbern lassen sich Erdhunde bei der Jagd einsetzen.

Schweißhunde hingegen sind dank ihrer beeindruckenden Nase ideal für die Nachsuche. Diese Rassen können angeschossenes Wild auf der Flucht stoppen und den Jäger schnell auf die Fährte des verwundeten Wildes führen.

Vorsteh- und Stöberhunde übernehmen ähnliche Aufgaben und lassen sich als Vollgebrauchshunde führen. Sie arbeiten gut in Feld, Wald und auch auf dem Wasser, können aber für die Jagd im Bau aufgrund ihrer Körpergröße nicht eingesetzt werden.
Bracken lassen sich variantenreich zum Stöbern, als Laufhunde und Fährtenhunde führen. Apportierhunde wiederum sind spezialisiert auf die Arbeit nach dem Schuss und bringen das Wild im Maul zum Jäger.

Nur wer seinen Jagdschein machen will oder tatsächlich sehr ambitioniert im Hundesport unterwegs ist, sollte sich eine Jagdhunderasse zulegen. Der Arbeitswille und die Leistungsfähigkeit dieser Tiere sind so hoch, dass solche Tiere im normalen Alltag kaum artgerecht ausgelastet werden können. Wo man bei Deutsch Drahthaar oder Münsterländer noch daran denkt, dass es sich um einen Jagdhund mit entsprechenden Bedürfnissen handelt, vergisst man dies beim Spaniel oder Retriever schnell.

Hier sollte im Vorfeld detailliert überprüft werden, ob die Tiere aus einer Zuchtlinie für die Arbeit, Show oder die Familie stammen. Vor der Anschaffung einer bestimmten Hunderasse sollten unbedingt umfangreiche Informationen eingeholt werden, um dem Tier dann auch lebenslang gerecht zu werden.

Über den Autor

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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