Hundefutter Deklaration: Ein Buch mit 7 Siegeln oder eigentlich ganz einfach zu verstehen?

Warum die Hundefutter-Deklaration so wichtig ist? Bei der großen Auswahl an Trocken- und Nassfuttersorten fällt es schwer, sich für das „Richtige“ zu entscheiden. Jeder von uns möchte für sein Tier das Beste und vor allem ein gut verträgliches Hundefutter, was den Hund gesund erhält. Wir haben uns in diesem Artikel einmal genauer mit dem Thema Deklarationen befasst, um euch eine Art Leitfaden zu geben.

Auf was solltet ihr bei der Deklaration/Zusammensetzung von Fertig-Hundefutter achten?

Die Hersteller sind aufgrund der gesetzlichen Vorschriften zur Kennzeichnung verpflichtet im Sinne der Futtermittelverordnung. Dies soll Transparenz schaffen und den Verbraucher schützen. Hersteller können dabei zwischen geschlossener Deklaration, halboffener Deklaration und offener Deklaration für Tiernahrung wählen. Ihr habt sicher die Unterschiede schon einmal gesehen.

  • Bei der halboffenen Deklaration werden die vorhandenen Bestandteile aufgelistet. Bei der offenen Deklaration werden zusätzlich noch die Prozentangaben je Inhaltsstoff aufgeführt. So habt ihr auch einen Überblick über die Mengenverteilung der einzelnen Inhaltsstoffe in der Deklaration.
  • Bei der offenen Deklaration beschreibt der Hersteller also die genauen prozentualen Verteilungen der Inhaltsstoffe in seiner Deklaration.
  • Bei der geschlossenen Deklaration werden lediglich die Futtermittelgruppen angegeben – also
    • Fleisch und
    • tierische Nebenerzeugnisse,
    • Getreide und
    • pflanzliche Nebenerzeugnisse oder
    • Gemüse usw. ( aber nicht Rindfleisch oder Geflügel etc. ).

Ihr wisst also bei der geschlossenen Deklaration eigentlich überhaupt nicht, welche Inhaltsstoffe verwendet wurden. Zusätzlich gilt, dass die Futtermittelgruppe, die zuerst angegeben wird, auch den höchsten prozentualen Anteil an der Gesamtmenge aufweist – außer der Hersteller „verschleiert“ z.B. den höheren Kohlenhydratanteil, indem er mindestens zwei Sorten Kohlenhydrate verwendet. Diese stehen dann zwar auch nicht an erster, sondern an 2. bis 4. Stelle der Inhaltsangaben, aber zusammengerechnet ergeben sie einen höheren Anteil als die Proteine.

Ein Beispiel für diese Art der Deklaration ist:

  • Geflügelfleischmehl 11%
  • und dann folgt 9 % Reis,
  • 8% Mais
  • und 7% Maiskleber.

Den Proteinen mit 11% stehen in dem Fall 24% Kohlenhydrate gegenüber und somit ist der Kohlehydratanteil mehr als doppelt so hoch. Ausnahmen gibt es aber auch. Bei der offenen Deklaration kann es beispielsweise sein, dass an erster Stelle eine Fleischsorte (mit hohem Prozent-Anteil) steht und an zweiter und dritter Stelle ein Kohlenhydrat. Dafür aber wieder das Protein an 4. und 5. Stelle. Hierbei behält das tierische Protein den höchsten Anteil.

Ein Beispiel für eine halboffene Deklaration ist diese hier:

  • Rindfleisch und tierische Nebenerzeugnisse,
  • Kartoffelflocken,
  • Kräuter und Gemüse,
  • Öle und Mineralstoffe.

Die Kohlenhydrate sollten bei einem Futter, das ihr euch betrachtet, nicht an erster Stelle stehen, da sie dann einen höheren Anteil als Fleisch im Futter hätten. Bei Futter mit geschlossener Deklaration würde ich keines verwenden, dessen Deklaration mit den Kohlehydraten beginnt, wie etwa Getreide. Der Grund: der Fleischanteil ist dann geringer als der Anteil an Kohlehydraten.

Grundsätzlich sollte man die Finger von Hundefutter lassen, dessen erster genannter Inhaltsstoff Getreide ist. In der Regel ist der Fleischanteil dann sehr gering. Hunde vertragen zwar auch einen gewissen Anteil an Getreide und benötigen diesen auch für die Verdauung – aber sie sind ja nun keine Kaninchen. Auch wenn der Trend bei den Vegetariern immer mehr hin zu vegetarischem Hundefutter geht – was aus ethischen Gründen auch durchaus nachvollziehbar ist – kann dies langfristig nicht die gesunde Alternative für den Hund sein.

Nur wer die Hundefutter-Deklaration entziffern kann, kann seine Hunde dauerhaft mit hochwertigem Futter versorgen. Gesunde Hunde auch in hohem Alter: Orson mit 10 Jahren immer noch fit und gesund.

Nur wer die Hundefutter-Deklaration entziffern kann, kann seine Hunde dauerhaft mit hochwertigem Futter versorgen. Gesunde Hunde auch in hohem Alter: Orson mit 10 Jahren immer noch fit und gesund.

1. Inhaltsstoffe-Erklärung: Die entscheidende Inhaltsangabe der Deklaration ist ganz klar die tierische Proteinquelle

Aber auch hier ist nicht immer alles klar ersichtlich. Was es zu beachten gibt und wie ihr die Deklarationen der Proteinquellen richtig deutet, findet ihr nachfolgend. Als tierische Proteinquelle wird bei Futterdeklarationen oftmals ein Mehl oder Fleischmehl angegeben. Also beispielsweise bei einem Trockenfutter mit Geflügel steht dann auf der Verpackung Geflügelmehl oder Geflügelfleischmehl. Das hört sich erst einmal gleich an, ist aber in der Regel sehr unterschiedlich.

2. Inhaltsstoffe-Erklärung: Worin unterscheiden sich Geflügelmehl und Geflügelfleischmehl bei der Deklaration eines Hundefutters?

Geflügelmehl ist im Grunde der getrocknete und gemahlene Rest eines Geflügels. Man kann sich nicht sicher sein, dass es sich dabei um Geflügelfleisch handelt. Vielmehr handelt es sich meist um Schlachtabfälle und das können dann auch Schnäbel, Federn, oder Krallen sein.

Geflügelfleischmehl ist tatsächlich Geflügelfleisch, das zu Mehl verarbeitet wurde.

3. Inhaltsstoffe-Erklärung: Tierische Nebenerzeugnisse sind in den meisten Deklarationen zu finden

Auch hier können diese aus hochwertigen Nebenerzeugnissen wie

  • Leber,
  • Herz,
  • Lunge,
  • Pansen,
  • Strossen,
  • Karkassen,
  • Nieren,
  • Hähnchenmägen oder
  • Schlund

bestehen. In dem Fall geben es die meisten Hersteller aber auch noch einmal explizit an. Die tierischen Nebenerzeugnisse können sich aber auch aus einer Mischung von hochwertigen Nebenerzeugnissen und Abfällen wie Schnäbel, Krallen, Felle etc. zusammensetzen.

Im schlechtesten Fall sind die tierischen Nebenerzeugnisse einer Deklaration ausschließlich aus schwer verdaulichen Nebenerzeugnissen zusammengesetzt, wie Schnäbel, Gefieder, Krallen, Fell oder Hörner. Leider ist das für den Verbraucher dann nicht wirklich ersichtlich.

 

4. Inhaltsstoffe-Erklärung: Besondere Fleisch- oder Fischarten – oder wie Deklarationen Qualitätsproteine vortäuschen

Es wird immer beliebter – gerade in Zeiten der ganzen Allergikerhunde – besondere Fleisch- oder Fischarten zu verwenden und zu bewerben. Aber gerade wenn man einen Allergikerhund hat, gilt es vorsichtig zu sein. Bei vielen dieser Futtersorten ist oft nur ein ganz geringer Anteil von dem besonderen Protein enthalten. Der Rest wird durch Geflügel, Schwein oder Rind ersetzt.

4 % muss der Anteil nur mindestens betragen, damit auf der Packung eine Fleischsorte mit dem Wort „mit“ ausgelobt werden kann, also „mit Huhn“ bedeutet, dass min. 4 % Huhn enthalten sein muss. Der übrige Bestandteil muss dann aber nicht weiter spezifiziert werden.

Hersteller dürfen leider eine Fleischsorte bereits ab einem Anteil von 4% mit dem Wort „mit“ ausloben. Das bedeutet dann zum Beispiel, dass „mit Huhn“ bedeutet, dass mindestens 4 % Huhn enthalten sind. Der übrige Bestandteil muss dann aber nicht weiter spezifiziert werden! Und schon kann aus dem Hundefutter, dessen größter Anteil zum Beispiel Getreide ist, ein Hundefutter „mit“ ausgezeichnetem Qualitätsfleisch werden. Entscheidend sind daher die analytischen Bestandteile, nicht nur die Inhaltsangaben einer Deklaration.

Der Anteil der Rohasche sollte immer niedrig sein – am besten deutlich unter 10%. Das lässt auf einen geringen Knochenanteil (Nebenerzeugnis) und einen hohen Fleischanteil schließen. Ebenso verhält es sich mit der Rohfaser. Diese sollte noch niedriger – am besten bei maximal 2-3%  – Anteil liegen. In diesem Fall ist der Getreide-/Kohlenhydratanteil nicht so hoch und vor allem sind die tierischen Nebenerzeugnisse gar nicht oder nur in geringem Maße vorhanden.

Gesunde Hundeernährung fängt mit dem Beachten der Hundefutter-Deklaration schon im Welpenalter an - die kleine Pocahontas soll gesund aufwachsen.

Gesunde Hundeernährung fängt mit dem Beachten der Hundefutter-Deklaration schon im Welpenalter an – die kleine Pocahontas soll gesund aufwachsen.

5. Inhaltsstoffe-Erklärung: Was versteht man unter pflanzlichen Nebenerzeugnissen?

Pflanzlichen Nebenerzeugnisse sind Nebenprodukte, die bei der Verarbeitung von Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchten anfallen. Das können zum Beispiel

  • Melasse,
  • Zuckerrübenschnitzel,
  • Weizenkleie oder
  • Erdnussschalen

sein. Es gibt eigentlich keine klare Definition über die anfallenden Nebenprodukte.

6. Inhaltsstoffe-Erklärung: Warum sind auf vielen Deklarationen Vitamine und Mineralien aufgeführt?

Im ersten Moment denkt man „Wieso muss einem angeblich hochwertigen Futter noch einmal alles zugesetzt werden?“. Vitamine und Mineralstoffe sollten doch allein durch die Inhaltsstoffe ausreichend vorhanden sein?! Vitamine werden von Hunden genauso benötigt, wie von uns Menschen. Und wie bei unserer Zubereitung der Nahrung – bspw. durch Erhitzen – gehen Vitamine und Mineralien durch den Garprozess verloren. Deshalb werden sie beim Trockenfutter wie auch beim Nassfutter zugesetzt.

Man unterscheidet wasserlösliche Vitamine und fettlösliche Vitamine. In der Regel werden künstlich erzeugte Vitamine zugefügt – eine wissenschaftlich fundierte Wirksamkeit konnte meines Wissens beim Hund nicht nachgewiesen werden. Beim Menschen übrigens auch nicht und trotzdem nehmen vermutlich 50% der Menschen Vitamin-Pillen. In diesem Fall bedeutet künstlich also nicht gleich schädlich. Es ist halt nur nicht sicher ob es auch wirksam ist.

Rohes Gemüse ist von Hunden gar nicht oder nur in geringem Maße verdaubar. Deshalb können Hunde Vitamine auch nicht wie wir Menschen aufnehmen. Im Übrigen ist der Hund sowieso „schlechter“ dran als der Mensch, denn egal für welche Ernährungsform ihr euch entscheidet – ob Nassfutter oder Trockenfutter – der Speiseplan ist immer recht eintönig und nicht so ausgewogen wie bei uns Menschen.

Wir haben zwei Trockenfutter und ein Nassfutter im Hinblick auf die Deklaration getestet. Die Artikel dazu findet ihr unter folgenden Links.


Bildnachweis: Bianca Brendel

Über Bianca Brendel

Bianca Brendel

Ich bin seit 30 Jahren Hundebesitzerin und habe in den ganzen Jahren sehr viel über Hunde, deren Ernährung, Erziehung und Pflege gelernt. Jetzt bin ich in der Redaktion von hundebibel.de als Fachauthorin tätig und versuche, allen Hundebesitzern und Besuchern von hundebibel.de die oben genannten Themen ans Herz zu legen.

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