Hovawart: Rasse, Wesen, Haltung und Pflege

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Wer einen Wachhund mit Charakter sucht, für den ist der Hovawart eine gute Wahl. Als alte Hunderasse sind diese Vierbeiner dazu prädestiniert, Haus und Grundstück zu beschützen. Allerdings hat sich diese Aufgabe im letzten Jahrhundert grundsätzlich verändert.

Typische Eigenschaften des Hovawarts

Der Hovawart hat einen starken Schutzinstinkt und überwacht das eigene Grundstück mit Argusaugen und einem sensiblen Geruchssinn. Das Territorium, das er kontrolliert, ist immer dort, wo sich „seine Familie“ aufhält. Bei dem Hovawart handelt es sich um einen Arbeitshund, der sich als guter Wächter erziehen lässt.

Darauf deutet schon der Name hin, der seinen Ursprung im Mittelhochdeutschen hat. Hova bedeutet Hof und Wart steht für Wächter: Der Hovawart ist also ein Hof-Wächter. In früheren Zeiten lebte diese Rasse vorwiegend auf Gutshöfen, wo sie Wache hielten und außerdem auf das Vieh aufpassten.

Bereits in den Zeiten der Germanen hatten die Hunde als Schutztiere eine wichtige Funktion und wurden entsprechend anerkannt.

Wissenswertes für den neuen Hundebesitzer

Ein Hund wie der Hovawart hat seinen eigenem, starken Willen, den er auch durchsetzen möchte. Das ist vor allem bei den Rüden zu beobachten. Die meisten Besitzer eines Hovawarts sind Mitglied in einem regionalen Rassezuchtverein: So können sie sich mit anderen Hovawart-Besitzern über bestimmte Dinge austauschen, ob es um den Erfolg bei der Erziehung geht oder um den nächsten Ausstellungstermin.

Wer sich für einen Hovawart als Hund entschieden hat, der erkundigt sich am besten bei einem eingetragenen Züchter nach Welpen. (#1)

Wer sich für einen Hovawart als Hund entschieden hat, der erkundigt sich am besten bei einem eingetragenen Züchter nach Welpen. (#1)

Wer daran interessiert ist, einen Hovawart zu kaufen, sollte unbedingt darauf achten, dass es sich bei dem Anbieter um einen eingetragenen Züchter handelt. Die Eintragung beim VDH gilt als eine Art Garantie dafür, dass der Hund aus einer verantwortungsbewussten Zucht kommt und dass der Stammbaum in Ordnung ist. Die Welpen kosten zwischen 800 und 1000 €. Einen älteren Hovawart kann man außerdem im Tierheim oder an einer anderen Stelle finden. Auch die erwachsenen Vierbeiner freuen sich über ein schönes Zuhause.

Durch seine gleichzeitig verspielte und charakterstarke Art eignet sich der Hovawart problemlos als Familienhund. Allerdings sollte man sich bewusst machen, dass der Hund einen durchsetzungsfähigen Halter und viel Zuwendung braucht. Wer sich nicht genügend Zeit für den Hovawart nimmt, der wird bald feststellen, dass sich der Vierbeiner vernachlässigt fühlt. Das zeigt sich in einem gesteigerten Desinteresse, das in der Folge die Beweglichkeit einschränkt. Dabei ist der Hovawart eigentlich ein sportlicher und familienfreundlicher Hund, der viel Spaß am Herumtollen hat.

Genug Bewegung für den Hund

In den Hundevereinen gibt es Übungsplätze, die der ideale Ort sind, um seinen Vierbeiner zu trainieren. So wird er nicht träge, sondern nimmt gerne die Möglichkeit wahr, sich intensiv zu bewegen. Mindestens einmal pro Woche sollte man mit dem Hovawart auf dem Übungsplatz gehen. Neben diesem Sport freut sich der Hund natürlich über die täglichen Wege, bei denen er ebenfalls als aktiver Begleiter unterwegs ist.

Hovawart mögen Sport und Spaß. Für Hunde gibt es eigene Trainingsplätze für Hundesport. Außerdem trifft man sich gerne auf Hundplätzen mit anderen Besitzern und deren Hunden. (#2)

Hovawart mögen Sport und Spaß. Für Hunde gibt es eigene Trainingsplätze für Hundesport. Außerdem trifft man sich gerne auf Hundplätzen mit anderen Besitzern und deren Hunden. (#2)

Wie gesund ein Hund ist, das hängt nicht nur von der Aktivität ab, sondern auch von der Abstammung. Wie beim Menschen liegt die Gesundheit oft in den Genen. In dem Zuchtbuch des RZV erfährt man alle Details zur Abstammung. Beim RZV handelt es sich um einen Verein, der sämtliche Nachweise der einzelnen Hovawarts zur Verfügung stellen kann. Die Daten gehen oft mehr als fünf Generationen in die Vergangenheit. Anhand dieser Aufzeichnungen lassen sich die Risiken von Krankheiten einschränken, denn Inzucht ist kein Thema mehr.

Ausstellungen und Wettbewerbe

Ein gesunder Hund ist ein schöner Hund: Darum freuen sich die Hundebesitzer, wenn sie ihre Vierbeiner auf einem Wettbewerb präsentieren können. Hier steht neben der Optik die Gesundheit im Fokus. Ein weiches Fell sieht besonders schön aus, außerdem sollte der Hovawart natürlich relativ ruhig bleiben und sich von allen Seiten betrachten lassen. Bei einer solchen Hundeausstellung gibt es oft verschiedene Kategorien, zum Beispiel den Vergleich der Deckrüden oder auch die Offenen Klassen.

Für eine solche Ausstellung wird der Hovawart natürlich gründlich gewaschen und gebürstet, bis sein Fell sauber glänzt. Üblicherweise muss man den Hovawart jedoch nicht täglich bürsten, denn das Fell verfilzt nur selten. Wenn er richtig erzogen wurde, dann hält er problemlos still. Dennoch sollte man immer an seinen Spieltrieb denken und ihn darum nicht zu nervös machen.

Wie sich der Hovawart gegenüber anderen Hunden verhält

Als traditioneller Hofhund ist der Hovawart selbstbewusst und manchmal etwas dickköpfig. Er flößt kleineren Hunden oft schon wegen seiner Größe Respekt ein.

Ein Hovawart in Action wirkt auf den ein oder anderen ängstlichen Menschen vielleicht etwas angsteinflößend, gerade wenn er dazu noch schwarz ist. (#3)

Ein Hovawart in Action wirkt auf den ein oder anderen ängstlichen Menschen vielleicht etwas angsteinflößend, gerade wenn er dazu noch schwarz ist. (#3)

Das ist auch in Ordnung, denn diese Hunderasse sollte in früheren Zeiten andere Tiere und auch menschliche Angreifer vertreiben. Allerdings kann der teilweise etwas übertriebene Schutzinstinkt auch in Aggressivität umschlagen. Die Selbstsicherheit verwandelt sich in fast schon menschliche Arroganz oder in einen gewissen Größenwahn. So sieht es zumindest aus, wenn die buschige Rute hochgereckt wird und der Hovawart auf diese Weise sein Territorium verteidigt.

Aus diesem Grund können Begegnungen mit anderen Hunden ungünstig verlaufen. Man sollte also den Hovawart nicht aus den Augen lassen, sondern aufpassen, wenn sich weitere Vierbeiner nähern. Gerade die Rüden zeigen ein auffälliges Verhalten, indem sie auf imponierende Weise posieren. Gerade sehr kleine Hunde schreckt das schnell ab, dabei sind die Hovawarts ihnen gegenüber im Allgemeinen tolerant.

Ein Hund, der dem Hovawart in Größe und Stärke überlegen ist, erhält meistens die entsprechende Anerkennung, denn der Hovawart ist klug genug, sich nicht gleich mit dem Falschen anzulegen. Wenn ihm der zweite Hund allerdings ebenbürtig ist, dann kommt es zur „Diskussion“. Die Dominanz des Hovawarts muss allerdings nicht aggressiv sein. Gerade weil er sich seines Ranges bewusst ist, scheint er es sogar bei Provokationen nicht nötig zu haben, zu beißen oder zuzuschnappen.

Der Hovawart liebt Spaziergänge - aber hier sollte man seinen Hund genau kennen. Hovawarts neigen dazu, ihr Revier zu verteidigen - also immer gut überlegen, wann man ohne Leine unterwegs sein kann. (#4)

Der Hovawart liebt Spaziergänge – aber hier sollte man seinen Hund genau kennen. Hovawarts neigen dazu, ihr Revier zu verteidigen – also immer gut überlegen, wann man ohne Leine unterwegs sein kann. (#4)

Tatsächlich wirken Hovawarte häufig sehr gut erzogen. Sie bleiben auf Distanz und haben offensichtlich etwas gegen aufdringliche Vierbeiner und auch Zweibeiner. Das kann bei erwachsenen Hovawarten bis zur Eigenbrötlerei gehen. Sie wünschen sich eher etwas Ruhe und weichen den jüngeren, verspielten Hunden aus.

Ein Hovawart kenn seine Freunde und Feinde genau. Das heißt, dass man seinen Hovawart nicht ohne Leine laufen lassen sollte. Besser ist es, die Umgebung im Blick zu behalten und darauf zu achten, wer sich nähert. Wenn sich ein Freund nähert, nimmt der Hovawart Kontakt auf und zeigt sich von seiner guten Seite. Bei fremden Hunden oder Feinden kann er hingegen seine Aggressionen zeigen. Wenn es um die Revierkontrolle geht, dann erhebt sich meistens seine Rute: Spätestens dann sollte man ihn im Griff haben. Ansonsten hängt die Rute meistens locker herunter.

Oft halten die Hovawarts schon die bekannten Wegstrecken für ihr eigenes Revier. Darum ist es sinnvoll, den Weg öfters zu wechseln. Abhängig von der Erziehung und von seinem Aggressionspotenzials kann es ansonsten zu Kämpfen zwischen den benachbarten Rüden kommen.

Tipps für die Erziehung

Jeder Hund braucht eine gezielte Erziehung, die seine Stärken fördert und die Schwächen eindämmt. So lernen die Hovawarte, mit anderen Tieren und Menschen richtig umzugehen. Das Sozialverhalten bei den meisten Hunden ist relativ freundlich, was sich auch beim Hovawart zeigt. Dennoch gibt es keine Pauschallösung beim Thema Hundeerziehung.

Bei der Erziehung eines Hovawart benötigt man in erste Linie Geduld - ein Hovawart versucht sich nämlich durchzusetzten - vielleicht hilft ein Leckerli beim Überzeugen. (#5) Bei der Erziehung eines Hovawart benötigt man in erste Linie Geduld – ein Hovawart versucht sich nämlich durchzusetzten – vielleicht hilft ein Leckerli beim Überzeugen. (#5)

Bei der Erziehung eines Hovawart benötigt man in erste Linie Geduld – ein Hovawart versucht sich nämlich durchzusetzten – vielleicht hilft ein Leckerli beim Überzeugen. (#5)

Die typische Verhaltensweise des Hovawarts liegt in seiner Beharrlichkeit, zudem zeigt er oft seine Kreativität. Offensichtlich versucht er, seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen, als wollte er auf seine ganz eigene Art Ordnung schaffen. Um den Ordnungssinn des Hovawarts einzugrenzen, muss der Hundehalter konsequent und einfühlsam vorgehen. Am besten funktioniert das, solange der Hund noch sehr jung ist.

Zu harte Einschränkungen und Verbote bringen bei dem dickköpfigen Hovawart eher wenig. Stattdessen braucht man Geduld und ein gutes Maß an Verständnis. So lässt sich das Vertrauen zwischen Hundebesitzer und Hovawart allmählich aufbauen und stärken. Der Hundehalter ist für den Vierbeiner sozusagen der Chef. Um diese Position zu etablieren, ist ein selbstsicherer Auftritt notwendig. Gepaart mit einer Spur Lässigkeit und mit viel Konsequenz zeigt man eindeutig, wer das Sagen hat. Wer sich so behaupten kann, dem wird der Hovawart gerne folgen.

Bei der Hundeerziehung am Ball bleiben

Wer nicht sicher ist, wie die Hundeerziehung aussehen muss, der findet in einer Hundeschule die nötige Hilfe. Auch im Internet gibt es Portale und Ansprechpartner, die einem die nötige Unterstützung zur Verfügung stellen. Man beginnt mit den Grundelementen und geht später zu den Feinheiten der Erziehung über. Auch eine umfassendere Ausbildung ist möglich.

Hovawart gibt es mit schwarzem Fell und mit hellem Fell - den Black Hovawart und den Golden Hovawart. (#6)

Hovawart gibt es mit schwarzem Fell und mit hellem Fell – den Black Hovawart und den Golden Hovawart. (#6)

Grundsätzlich eignet sich der Hovawart sehr gut als folgsamer Hund: Er hat keine Probleme mit der offensichtlichen Autorität seines Besitzers und freut sich darüber, Befehle auszuführen. Allerdings zeigt er dabei keine Unterwürfigkeit. Eher wirkt er wie ein eigenständiger Charakter, denn immer wieder möchte er auch seinen eigenen Kopf durchsetzen.

Als Besitzer eines Hovawarts braucht man also Geduld, eine konsequente Linie und viel Zeit. Nur so ist es möglich, eine enge Beziehung vom Mensch zum Tier aufzubauen und miteinander fair umzugehen. Hauptsächlich sollte der Hovawart Respekt vor seinem Besitzer haben, doch auch Herrchen und Frauchen dürfen den Hund nicht nachlässig oder überheblich behandeln. So kann die perfekte Freundschaft zwischen Mensch und Hund entstehen.


Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: NXPhotography, -#1 Zuzule-, -#2 Ricantimages, -#3 Michal Ninger, -#4 Pavlina Trauskeova, -#5 Zuzule, -#6 Zuzule

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