Wenn der Hund humpelt: Tipps & erste Hilfe!

Hund humpelt, läuft nur noch auf drei Beinen, man macht sich sofort Sorgen, ob es sich vielleicht um ein ernsthaftes Problem handelt. Diese Tipps helfen, Symptome zu erkennen und harmlose Ursachen zu beheben.

Übersicht

  1. Hund humpelt auf einmal: diese erste Hilfe Maßnahmen helfen!
  2. Pfotenballen-Verletzung: Hund humpelt oder läuft auf drei Beinen
  3. Hund humpelt: Woran erkennt man eine ernsthafte Verletzung?
  4. Arthrose: Wenn der Hund im Alter humpelt
  5. Knochenbruch: Der Hund lahmt nach einer Bruchverletzung

Hund humpelt auf einmal: Diese erste Hilfe Maßnahmen helfen!

Jeder wünscht sich einen gesunden Hund, denn geht es dem Hund gut, geht es auch seinem Halter gut! Läuft der Hund auf einmal nur noch auf drei Beinen und jammert dabei vielleicht noch, macht man sich natürlich große Sorgen. Wenn ein Hund humpelt, kann das viele Ursachen haben, ganz harmlose, aber leider auch oft schwerwiegende! Wichtig ist, herauszufinden, warum der Hund humpelt.

Wenn der Hund auf einmal humpelt und die Pfote hebt, stimmt etwas nicht.

Wenn der Hund auf einmal humpelt und die Pfote hebt, stimmt etwas nicht. (#01)

Diese Sofort-Maßnahmen helfen dabei:

  • vorsichtig das betroffene Bein abtasten, ob es eventuell geschwollen ist und ob der Hund eine Schmerzreaktion zeigt
  • Pfotenballen und Krallen auf Verletzungen oder Fremdkörper kontrollieren
  • wenn der Hund nicht mehr auftritt und er auch nicht mehr auf drei Beinen gehen kann, muss man ihn tragen und vorsichtig für die Fahrt zum Tierarzt so ablegen, dass das Bein nicht weiter belastet wird
  • Kreislauf überprüfen, bei Verletzungen fallen Hunde auch häufig in einen Schockzustand nachdem das erste Adrenalin verflogen ist
  • im Innenschenkel Puls messen und gegebenenfalls Rescue Tropfen zur Beruhigung verabreichen
  • falls es sich um eine Verletzung handelt, eine größere Schnittwunde oder einen Beinbruch, sollte man den Tierarzt bereits vorab informieren, dass man auf dem Weg ist, damit der Hund so schnell wie möglich Schmerzmittel erhalten kann
  • eventuell muss eine Notoperation durchgeführt werden, auch das kann der Tierarzt bereits vorbereiten
  • auf dem Weg zum Tierarzt diesen schon telefonisch benachrichtigen
  • hat der Hund eine Prellung aber offensichtlich keinen Bruch ist das sehr schmerzhaft und kann einige Tage dauern, bis der Schmerz nachlässt. Eine Schwellung kann man kühlen, um dem Hund Linderung zu verschaffen.
  • Retterspitz-Umschläge sind meine erste Wahl, diese sollten aber nur auf Prellungen und Schwellungen angewendet werden, die keine offenen Wunden haben. Da die Flüssigkeit in offenen Wunden brennt. Retterspitz zieht die Entzündung und Hitze aus der Verletzung und kühlt angenehm
  • hat der Hund kleinere Verletzungen oder Schnittwunden, die nicht so tief sind, dass sie genäht werden müssen, sollte man diese sorgfältig säubern und beispielsweise mit einer Heilsalbe oder Honigsalbe eincremen

Wenn man sich unsicher ist, ob es sich nur um eine leichte oder um eine schwere Verletzung handelt, sollte man nicht zögern und einen Tierarzt kontaktieren. Lieber einmal zu viel zum Tierarzt, als einmal zu wenig. Schnittwunden sollten innerhalb von zwei Stunden genäht werden, weil sonst die Gefahr droht, dass das Gewebe abstirbt. Ist man sich nicht sicher, ob eine Wunde genäht werden muss, oder nicht, fragt man besser den Tierarzt.

Pfotenballen-Verletzung: Hund humpelt oder läuft auf drei Beinen

Verletzt sich ein Hund den Pfotenballen oder die Krallen, ist das im ersten Moment sehr schmerzhaft. Meist jedoch ist das eher harmlos und behindert den Hund nicht lange. Der Hund humpelt nur wenige Tage, wenn er sich eine Kralle wegbricht oder kleine Schnittverletzungen im Pfotenballen zuzieht.

Wie kann es zu Verletzungen im Pfotenballen kommen?

  • heißer Asphalt im Sommer kann zu Verbrennungen der Pfotenballen führen
  • scharfe Steine oder Muscheln am Strand können kleine Schnittverletzungen verursachen
  • im Winter reagieren viele Hunde auf Streusalz, einige ganz massiv

Man kann den Pfotenballen des Hundes grundsätzlich schützen, indem man ihn regelmäßig mit guten Pfotensalben einschmiert, das verhindert ein Austrocknen und Einreißen aufgrund der trockenen Haut. Die Salben sind im Winter noch wichtiger als im Sommer.

Zusätzlich kann man den Hund mit Schuhen vor Streusalz schützen, wenn man den gesalzenen Wegen nicht ausweichen kann. Die Krallenpflege ist sehr wichtig, denn wenn die Krallen zu lang sind, brechen sie auch deutlich leichter ab. Bricht eine Kralle, liegt das Leben frei und das tut höllisch weh.

All das ist natürlich nicht, aber es verursacht dem Hund erst einmal Schmerzen und so ist es auch kein Wunder, wenn der Hund humpelt.

Hat sich der Hund eine tiefe Schnittwunde im Pfotenballen zugezogen, sollte unbedingt ein Tierarzt aufgesucht werden. Solche Verletzungen heilen meist sehr langsam, da der Hund ja ständig auf den Beinen ist und dabei das Bein ständig nutzt. Und selbst wenn er es entlastet, ist es meist nur kurzzeitig.

Offene Wunden heilen schneller, wenn Luft darankommt. Leider ist das bei einer Pfotenverletzung nicht möglich, denn dann würde permanent Dreck in die Wunde gelangen. Durch den Verband verläuft die Heilung somit deutlich langsamer. Und bei jedem Verbandswechsel reißt die Wunde wieder auf. Das ist immer eine Tortur für den Hund. Wenn es dann aber einmal verheilt ist, kann der Hund wieder ganz normal rennen und springen.

: Verletzungen an der Pfote sind schmerzhaft und müssen sauber gehalten werden, damit sie gut verheilen.

: Verletzungen an der Pfote sind schmerzhaft und müssen sauber gehalten werden, damit sie gut verheilen. (#02)

Hund humpelt: Woran erkennt man eine ernsthafte Verletzung?

Bei einer Prellung oder Zerrung läuft der Hund nach einiger Zeit wieder ganz normal. Im ersten Moment sieht es zwar nach einer ernsthaften Verletzung aus, da beides für den Hund sehr schmerzhaft sein wird. Ist der Hund eher von wehleidiger Natur, was meist bei den Rüden der Fall ist, denkt man der Hund hätte eine massive Verletzung. Aber es verhält sich ähnlich wie bei der sogenannten Männergrippe.

Männliche Wesen sind eben nicht unbedingt für Schmerzen gemacht. Das ist vermutlich auch der Grund warum sie keine Kinder bekommen. Scherz beiseite, das tut natürlich weh aber Hündinnen stecken Schmerzen oftmals besser weg als Rüden. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel.

Schlimmer sind tiefe Schnittverletzungen, Verletzungen durch Verkehrsunfälle oder Knochenbrüche. Aber auch Kreuzbandrisse kommen bei Hunden häufiger vor und können auch beim Hund nur durch eine Operation und spätere Physiotherapie behoben werden.

Offene Verletzungen und Brüche sind auch für den Laien leicht zu erkennen. Ein Kreuzbandriss ist zwar nicht äußerlich zu sehen, aber wenn der Hund ein Bein gar nicht mehr benutzt und der Knochen offensichtlich nicht betroffen ist, ist es meist ein Anzeichen für einen Kreuzbandriss. Auch hier bitte nicht lange warten, sondern einen Tierarzt aufsuchen!

Kleinere Rassen haben häufiger die Veranlagung zur Kniescheibenverrenkung, auch Patellaluxation genannt.

  • wird meist durch eine leichte Fehlstellung des Ober- und Unterschenkels hervorgerufen
  • dabei springt die Kniescheibe nach innen oder außen aus der Rinne
  • man erkennt es daran das Hund ganz normal laufen und plötzlich für ein paar Schritte auf drei Beinen hüpfen, bis die Kniescheibe wieder in die Rinne zurückspringt
  • bei vielen Hunden kommt das nur sehr selten vor, andere zeigen häufig die dadurch verbundene Lahmheit
  • eine Patellaluxation lässt sich nur durch eine Operation korrigieren, Physiotherapie und Schmerzmedikation helfen auf Dauer nicht
Patellaluxation: Dieser kleine Hund wird seine Lahmheit bald überwunden haben, denn er hat die Operation gut überstanden.

Patellaluxation: Dieser kleine Hund wird seine Lahmheit bald überwunden haben, denn er hat die Operation gut überstanden.(#03)

Arthrose: Wenn der Hund im Alter humpelt

Irgendwann ist Sand im Getriebe und es knackt in den Gelenken. Da geht es den Hunden wie den Menschen. Vor den Zeichen der Zeit wird leider keiner verschont und auch Hunde haben mit Arthrose zu kämpfen. Dabei gibt es nicht nur Gelenkverkalkungen, die auf ein hohes Alter zurückzuführen sind, auch nach Verletzungen kann Arthrose entstehen.

Wie kommt es zu Arthrose?

  • krankhafte Veränderungen der Gelenke, häufig bei alten Hunden
  • aber auch durch übermäßige Belastung bei Hundesportarten
  • frühere Knochenbrüche und Verletzungen
  • generelle Fehlstellungen, egal ob angeboren oder erworben
  • zu wenig Bewegung kann ebenfalls ein Auslöser sein, denn die Gelenke müssen geschmiert werden und das passiert durch Bewegung

Was passiert bei einer Arthrose?

  • Bei Arthrose entstehen Entzündungen in den Gelenken, meist ist der Krankheitsverlauf schleichend
  • unbehandelt leidet der Hund irgendwann unter ständigen Schmerzen bis hin zur völligen Lahmheit
  • knirschende und knackende Geräusche, geschwollene Gelenke und lokale Rötungen können ebenfalls Symptome sein

Behandlungsmethoden bei Arthrose:

  • heilbar ist Arthrose leider nicht
  • einmal erkrankt kann man die Arthrose nur noch aufhalten oder verlangsamen
  • das Gewicht des Hundes muss dabei der Größe und Rasse entsprechend sein, wiegt er zu viel sollte er abnehmen, da das die Gelenke schont
  • Bewegung in gesundem Maß – nicht zu viel und nicht zu wenig – mit ausreichender Schonung der Gelenke
  • Physiotherapie, Schwimmen, Unterwasserlaufband gehören zur Therapie
  • Schmerzmittel sollten so dosiert sein, dass sie dem Hund ein möglichst schmerzfreies Leben ermöglichen
Durch Arthrose verändertes Hüftgelenk zeigt deutlich die Verknöcherungen.

Durch Arthrose verändertes Hüftgelenk zeigt deutlich die Verknöcherungen.(#04)

Knochenbruch: Der Hund lahmt nach einer Bruchverletzung

Ein Beinbruch gehört neben vielen anderen Dingen zu den Verletzungen, die kein Hund und kein Mensch braucht. Ist es passiert kann man es nicht mehr ändern! Mindestens die ersten zwei Monate nach dem Unfall werden anstrengend. Vor allem, wenn sich ein Welpe den Knochenbruch zugezogen hat. Aber auch ein ausgewachsener Hund hat wenig Lust auf die Zwangspause.

Noch dazu ist ein Bruch mit großen Schmerzen verbunden und meist auch mit einer Operation. Das sind alles Dinge, die man seinem Hund gern ersparen möchte.

 Auf dem Röntgenbild ist der Bruch des Knochens klar zu erkennen, kein Wunder, das der Hund humpelt.

Auf dem Röntgenbild ist der Bruch des Knochens klar zu erkennen, kein Wunder, das der Hund humpelt.(#05)

Jede Bruchstelle bildet irgendwann Arthrose, deshalb kann man sich schon darauf vorbereiten, dass der Hund im Alter Physiotherapie und Schmerztherapie benötigen wird. Ist ein Beinbruch passiert, hilft nur der Gang zum Spezialisten und auch wenn der meist teurer ist als der normale Tierarzt, sollte man unbedingt einen Arzt wählen, der sich mit der Operation von Beinbrüchen auskennt. Es gibt so viele verpfuschte Beine, die mehrmals operiert wurden und am Ende musste das Bein dann doch noch amputiert werden, oder der Hund hatte lebenslang Schmerzen.

Auch beim Spezialisten kann es schiefgehen klar, denn es kommen noch so viele andere Faktoren hinzu. Aber die Chance am Ende wieder einen gesunden Hund zu haben, ist definitiv höher, wenn er von einem Tierarzt operiert wird, der darauf spezialisiert ist. Manche Brüche (meist sind das die glatten Durchbrüche) können auch konservativ behandelt werden. Dabei erhält der Hund eine Art Gipsverband, der aus Kunstharz hergestellt wird. Kunstharz deshalb, weil der nicht so schwer ist wie Gips.

Ein konservativ behandelter Knochenbruch bei einem Welpen.

Ein konservativ behandelter Knochenbruch bei einem Welpen.(#06)

Manche Frakturen können aber nur durch eine Operation wieder gerichtet werden.

Dabei gibt es verschiedene Techniken,

  • Marknagelung
  • oder Verdrahtung,
  • Schraubenosteosynthese
  • oder Plattenosteosynthese
  • und den externen Fixateur.

Je nachdem, an welcher Stelle der Bruch sitzt und ob es sich um einen glatten Bruch oder einen Splitterbruch handelt, entscheidet der Chirurg, welche Technik die geeignete ist.

Nach erfolgter Operation beginnt die absolute Schonung. Die ersten beiden Wochen sollte der Hund sich so wenig wie möglich bewegen. Erst nachdem der Verband entfernt und die Fäden gezogen wurden, kann man langsam mit Bewegung anfangen. Weitere vier bis sechs Wochen sollte der Hund nur an der Leine laufen und auch Springen und Toben sind tabu.

Ja es wird eine schwere Zeit für Hund und Herrchen. Ab etwa der vierten Woche kann man parallel dazu mit leichter Physiotherapie beginnen, in manchen Fällen auch erst später. Den genauen Therapieplan erhält man von seinem Tierarzt.

Der kleine Basenji hat einen externen Fixateur nach einem Knochenbruch.

Der kleine Basenji hat einen externen Fixateur nach einem Knochenbruch.(#07)


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Über Bianca Brendel

Bianca Brendel

Ich bin seit 30 Jahren Hundebesitzerin und habe in den ganzen Jahren sehr viel über Hunde, deren Ernährung, Erziehung und Pflege gelernt. Jetzt bin ich in der Redaktion von hundebibel.de als Fachauthorin tätig und versuche, allen Hundebesitzern und Besuchern von hundebibel.de die oben genannten Themen ans Herz zu legen.

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