Hund ableinen: Ein sicherer Rückruf ist Grundvoraussetzung

Will man seinen Hund ableinen sollten einige Grundvoraussetzungen geschaffen werden. Freilauf ist wichtig für einen Hund und jeder sollte diesen seinem Hund auch ermöglichen – allerdings nur wenn es erlaubt ist und der Hund sicher hört sollte man den Hund ableinen. Hunde dürfen grundsätzlich nur von der Leine, wenn sie sicher wieder zurückkommen. Und wenn der Rückruf bei ihnen funktioniert. Funktionieren bedeutet in diesem Fall nicht, zwanzig Versuche und bei einem Mal kommt der Hund – weil es heute regnet oder es zu warm ist.

In dem Moment wo ich meinen Hund rufe kommt er zu mir zurück und zwar direkt und nicht erst nach einer Stunde. Erst wenn das sicher funktioniert sollte man den Hund ableinen. Wie man den Rückruf trainieren kann, haben wir in folgendem Artikel beschrieben: „Rückruftraining: Hund abrufen trainieren“. Es gibt ganz unterschiedliche Methoden und Trainingsansätze. Fragt man verschiedene Hundetrainer zum Thema „Hund ableinen“ bekommt man wahrscheinlich genauso viele unterschiedliche Methoden vorgeschlagen. Auch in diesem Artikel sind persönliche Erfahrungen zusammengefasst, die bei meinen Hunden funktioniert haben.

Es beginnt mit den Kleinen. Man sollte mit den Welpen schon beginnen

Es beginnt mit den Kleinen. Man sollte mit den Welpen schon beginnen  (#01)

Hund ableinen – beim Welpen von Anfang an trainieren

Der Welpe orientiert sich sehr stark an seinem Besitzer, denn er ist jetzt neu in diesem Haushalt und seine Mutter und seine früheren Bezugstier und Menschen sind nicht mehr da. Er wird deshalb nicht direkt weg laufen, sondern bleibt sowieso in der Nähe, das kann man sehr gut nutzen um neben der Leinenführigkeit dem Hund auch das Ableinen beizubringen.

Und zwar gleich von Anfang an. Denn ist der Hund älter und hat zuvor nicht gelernt abgeleint zu laufen, wird es schwieriger. Ist er erst einmal in der Pubertät, sollten Hund ableinen und Rückruf bereits sicher sitzen. Denn umso älter der Hund wird, umso sicherer wird er auch und wird die Welt um sich herum erkunden.

Ich kann immer nicht so ganz verstehen, wieso 12 Wochen alte Welpen mit Schleppleine durch die Gegend laufen müssen. Gerade bei einem Welpen ist das wirklich sehr einfach. Der Welpe folgt einem direkt, wenn man sich von ihm entfernt und wenn man das dann direkt und natürlich überschwänglich lobt und belohnt verknüpft er auch den Zusammenhang.

Video: Rückruf Kommando

Und wenn der Tag kommt, wo er dann das erste Mal nicht gleich kommt, Richtung wechseln und weggehen. Kein Welpe wird den Stinkefinger zeigen und davon laufen. Selbst wenn es ein kleines Weilchen dauert, irgendwann kommt er ganz schnell zurück gerannt.

In diesem Fall lobe ich nicht, sondern mache ohne einen Kommentar die Leine an den Hund. Beim nächsten Spaziergang geht der Hund dann ausschließlich an der Leine und wird erst beim übernächsten Mal wieder abgeleint. Wenn er dann wieder sofort auf Rückruf zurück kommt wird er wieder gelobt und bleibt ohne Leine.

Seinen Hund ableinen wird im Grunde bei jedem Spaziergang konsequent geübt und gefestigt. Irgendwann muss man natürlich nicht mehr überschwänglich loben, aber der Hund sollte immer ein positives Feedback bekommen, wenn er auf Rückruf gleich zurückkommt.

überfordern sollte man die Kleinen nicht, wie Babys brauchen sie Schlaf noch recht viel Schlaf

überfordern sollte man die Kleinen nicht, wie Babys brauchen sie Schlaf noch recht viel Schlaf (#02)

Welpe nicht überfordern – kurze Trainingseinheiten, dafür häufiger am Tag Hund ableinen üben

Welpen lassen sich von allem möglichen ablenken, deshalb sollten die Übungen nicht so lange dauern. Damit sie während den Übungen konzentriert sind und auch lernen was man ihnen beibringt. Außerdem ist so ein kleiner Zwerg im Wachstum und das ist für den Körper anstrengend.

Die Knochen sind noch nicht fertig und die Spaziergänge sollten keinesfalls zu lange sein und den Hund überstrapazieren. Gerade groß werdende Rassen benötigen Ruhephasen. Und wenn sie dauerhaft überfordert und überbeansprucht werden kann das zu späteren Schäden führen.

Bei älteren Hunden ist die Bindung zum Herrchen sehr wichtig

Bei älteren Hunden ist die Bindung zum Herrchen sehr wichtig (#03)

Hund ableinen – bei einem älteren Hund ist Bindung sehr wichtig

Ist der Hund schon älter und kommt beispielsweise aus dem Tierschutz, sollte man den Hund nicht sofort ableinen. Hierbei muss erst eine Bindung aufgebaut werden. Der Hund muss mir vertrauen und gern zu mir zurückkommen. Viel zu viele vermisste und entlaufene Hunde sind allein in Deutschland unterwegs. Wer das nicht glaubt schaut am besten mal bei Tasso in die aktuellen Suchmeldungen und Vermisstenmeldungen.

Es sind viel zu viele. Und häufig passiert das nicht weil man die Hunde während eines Spazierganges zum Spielen ableint sondern weil etwas passiert, was den Hund erschreckt. Ein anderer vielleicht aggressiver Hund, ein lautes Geräusch, Gewitter, Feuerwerk oder Ähnliches. Wenn der Hund dann keine enge Bindung und kein Vertrauen zu seinem Halter hat, rennt er davon, anstatt bei seinem Halter Schutz zu suchen.

Dieses Vertrauen von einem Tierschutzhund zu bekommen ist oftmals nicht leicht und kann Monate bis Jahre dauern – je nachdem wie verstört und ängstlich der Hund ist. So einen Hund ableinen bedarf viel Feingefühl und Erfahrung mit Hunden. Schaut dazu auch gerne unser Video zum Thema „Hund ableinen“. Dort haben wir auch noch einmal einige Tipps zusammengefügt wie ihr Euren Hund sicher ableinen könnt.

Hier darf der Hund toben aber auch gut mit ihm lernen kann man hier, keine Ablenkung, jede Menge Platz

Hier darf der Hund toben aber auch gut mit ihm lernen kann man hier, keine Ablenkung, jede Menge Platz (#04)

Hund ableinen zuerst in sicherem Gebiet

Zuerst sollte man den Hund gesichert ableinen, das bedeutet auf sicher eingezäuntem Gelände. Und auch das erst nach ein paar Wochen. Auch ein Hund der im Zaun auf Rückruf zum Halter kommt muss das nicht unbedingt auch draußen im freien Gelände tun.

Hunde sind nicht dumm, sie erkennen den Zaun und wissen auch dass sie da nicht einfach raus kommen. Diese Übungen sind aber wichtig, damit der Hund auf seinen Halter reagiert und den Rückruf positiv verknüpft. Einen ausgewachsenen Hund ableinen ist immer wieder aufregend und oft lese ich, dass die Besitzer fast mit einem Herzstillstand neben dem Hund standen, als sie den Karabiner lösten. Wenn man diesen Tag aber gut vorbereitet, gibt es keinen Grund Angst davor zu haben.

Will man den Hund ableinen, sollte auch die Umgebung stimmen. Ein wildreiches Gebiet sorgt nicht nur bei einem Jagdhund für eine Reizüberflutung. Viele und stark befahrene Straßen sollten ebenfalls nicht in der Nähe sein, denn falls der Hund tatsächlich stiften geht, wird das sehr gefährlich. Auch kann das Hund ableinen mittels toller Leckerlies und Wurf-, sowie Apportier- Spielzeug geübt werden.

Wird die Leine gelöst hat der Hund sofort etwas zu tun. Das Gleiche funktioniert auch mit einem zweiten Hund oder mehreren als Spielgefährten. Nachdem ableinen der Hunde kann man die erste Tobe-Runde direkt nutzen, sobald der Reiz nachlässt werden alle ran gerufen erhalten Leckerli und großes Lob und dann kommt der Hund der das Ableinen noch üben muss direkt wieder an die Leine. So kommt gar nicht erst Langeweile auf, die zum Erkundungs-Spaziergang einladen könnte.

Hund ableinen: Wo ist es verboten?

Egal, wie freundlich der Hund ist oder wie gut er auf Kommandos hört: An einigen Orten ist es aus guten Gründen nicht erlaubt, den Hund abzuleinen. Hier eine Zusammenstellung von Orten wo es in der Regel verboten ist, das Tier von der Leine zu nehmen.

  • Die Faustregel: Es gilt innerhalb von Ortschaften eine Leinenpflicht. Unabhängig von Rasse und Größe des Tieres
  • speziell Fußgängerzonen, wichtige Einkaufsstraßen und Städte wie Plätze mit hohem Publikumsverkehr.
  • außerdem: die meisten Parks und Grünanlagen, welche für die Allgemeinheit zuständig sind.
  • Kinderspielplätze, Schulhöfe und Sportbereiche sowie in vielen Städten auch Wochenmärkte gehören zu den „No-Go-Areas“ für Hunde ohne Leine
  • in den meisten Waldgebieten abseits der Wege. In Naturschutzgebieten oder Landschaftsschutzgebieten aber generell. Hier gilt es, Fauna und Flora gezielt vor den Vierbeinern zu schützen.

Die Konsequenzen, wenn man das Tier trotzdem ableint, reichen von einer Ermahnung bis hin zu größeren Bußgeldern bei mehrfachem Missbrauch. Das geht bei 100 Euro los und reicht bis 1000 Euro. Im extremen Fall kann dem Halter das Tier weggenommen werden. Strenger sind die Behörden übrigens bei als „gefährlich“ eingestuften Hunderassen. Hierzu zählen:

  • American Staffordshire
  • Pitbull Terrier
  • Bullterrier
  • Alano
  • American Bulldog
  • Bullmastiff
  • Mastiff
  • Mastino Espanol
  • Mastino Napoletano
  • Fila Brasilero
  • Rottweiler
  • Tosa Inu
  • Mischlinge aus diesen Rassen

Bei diesen Hundearten besteht außerhalb der eigenen vier Wände Maulkorbpflicht und ein ständiges Anleinen auch fernab von Ortschaften ist vorgeschrieben.

Stichpunkt Leine: Wie lang darf diese sein

In diesem Zusammenhang relevant: Die Länge der Leine. „Hunde sind an einer geeigneten Leine zu führen“, so umschreiben Ordnungsämter die Situation. Dazu zählen natürlich keine zehn Meter langen Leinen zum Abschleppen. Bewährt haben sich Größen von ungefähr 2 1/2 Metern Länge. Lang genug, um dem Tier Auslauf zu gewähren. Aber kurz genug, um in kritischen Situationen das Tier an sich zu reißen. Bei Ringkämpfen mit anderen Hunden, aber auch wenn das Tier zu nahe an Menschen herankommt.

Link zum Weiterlesen: Hundegesetz des Landes Nordrhein-Westfalen

Eine spannende Lektüre für alle Hundebesitzer. So ist das Hundegesetz im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen geregelt. Abweichungen gibt es in einigen Ländern zum Beispiel bei der Länge der Leine oder bei Hunden, die „gehorsamsgeprüft“ wurden. Im Wesentlichen lassen sich die Gesetze aber auf ganz Deutschland übertragen.

Hundegesetz Nordrhein-Westfalen

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Über Bianca Brendel

Bianca Brendel

Ich bin seit 30 Jahren Hundebesitzerin und habe in den ganzen Jahren sehr viel über Hunde, deren Ernährung, Erziehung und Pflege gelernt. Jetzt bin ich in der Redaktion von hundebibel.de als Fachauthorin tätig und versuche, allen Hundebesitzern und Besuchern von hundebibel.de die oben genannten Themen ans Herz zu legen.

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