Herkunft, Optik oder Arbeitsweise: Zwischen felligen Dreadlocks und Artenschutzauftrag- Was Vierbeiner besonders macht

Den, den oder doch den? Die Entscheidung für eine Hunderasse gestaltet sich nicht immer einfach. Kein Wunder, denn allein deutsche Hunderassen gibt es einige, die jeweils verschiedene Wesenszüge mitbringen. Einige von ihnen haben sogar in früheren Zeiten bereits Erfahrungen mit dem Adel gemacht, während die anderen mit einem außergewöhnlichen Fellkleid beeindrucken, helfen andere den Menschen durch ihr besonderes Einfühlungsvermögen im Alltag.

Doch welche Hunderassen bringen eine ganz eigene Geschichte oder Optik mit und welche Spezialaufgaben können Hunde mittlerweile für den Menschen über die Begleitung als Freund auf vier Beinen hinaus übernehmen?

1. Luxuriöse Herkunft: Die „Blaublüter“ unter den Schnüffelnasen

Der Hund kam dem Menschen nach seiner Domestifikation immer näher. Zunächst machten sich die Menschen den treuen Vierbeiner als Wachhund zunutze, welcher Lager oder Haus und Hof bewachte. Vor allem in ländlichen Regionen und auf Bauernhöfen wurde der Hund zum wachsamem Kumpanen. Dieser zog dann immer mehr in die Häuser der Menschen ein und bekam seinen Schlafplatz vor dem warmen Herd oder neben der Couch.

Beim Adel hatte der Vierbeiner schon immer einen besonderen Stellenwert und durfte es sich auf dem Schoß bequem machen oder seinen Trieben während der Jagd nachgeben. Während sich der männliche Adel vor allem im Jagdbetrieb mit lauffreudigen und ausdauernden Hunden umgab, flanierten die Damen vor allem mit kleinen Hunden, die ein besonders ruhiges Wesen haben, durch die städtischen Boutiquen.

Zu den bekanntesten Vertretern, gehört der so genannte Baumwollhund. Wesen und Äußeres des Coton de Tuléar machten diese Rasse zunächst im 17. Jahrhundert beim Adel in Tuléar südlich der Insel Madagaskar beliebt. Seine umgängliche Art und sein weiches, weißes und baumwollartiges Fell machten ihn besonders. Er wird aufgrund seiner Geschichte häufig auch synonym mit „Luxushund“ oder madagassischer Edelhund-Rasse beschrieben. Erst um das Jahr 1960 gewann der Hund, dessen Haare auch gerne einmal mit einem Schleifchen aus dem Gesicht genommen werden, in Europa an Bekanntheit.

Während der kleine weiße Baumwollhund in den madagaskanischen Gefilden verwöhnt wurde, blickt der Mops auf Erfahrungen im Kaisertum zurück. Gerade das chinesische Kaiserreich engagierte sich für die Aufzucht von Möpsen. In China wird deshalb auch der Ursprung dieser Rasse vermutet, welche zu dieser Zeit als Kaiserhund bekannt war, denn es galt als Privileg einen Mops halten zu dürfen. Dies machte ihn zum Symboltier des Adels. Die kurzschnauzige Rasse wurde zu dieser Zeit noch mit dem Namen „Lo-cjiang-sze“ bezeichnet.

Auch der Windhund ist aus den Kreisen der höheren Gesellschaft bekannt. Beim heutigen Adel vergnügen sich unter anderem folgende Hunde: Während Prinz William und seine Familie Cockerspaniel besitzen laufen bei Barack Obama Wasserhunde rund um das Luxusheim um die Wette.

 

Zu den bekanntesten Vertretern, gehört der so genannte Baumwollhund. (#03)

Zu den bekanntesten Vertretern, gehört der so genannte Baumwollhund. (#03)

2. Allergikerverträglichkeit: Vierbeiner, die Allergikern guttun

Wasserhunde wurden aber nicht nur als Begleiter der oberen Zehntausend bekannt, sondern auch durch ihre Allergikerfreundlichkeit. Zu den Wasserhunden werden der Portugiesische Wasserhund, der französische Barbet, der American Water Spaniel oder der spanische Perro gezählt. Wasserhunde haaren generell sehr wenig und machen keinen saisonalen Fellwechsel durch. Das kommt Allergikern zugute, denn generell gilt, dass Hunde, die wenig haaren, allergikerfreundlich sind.

Wobei es auch auf die Anzahl der Allergene ankommt, die im Urin und im Speichel enthalten sind. Neben dem Wasserhund gelten Schnauzer, der kleine weißfellige Havaneser, der aus Russland stammende Bolonka Zwetna oder der gelockte Pudel als Allergikerhund. Aber ob eine der genannten Rassen mit der ihnen zugesprochenen besonderen Eigenschaft der Allergikerfreundlichkeit wirklich bei jedem Allergiker für ein entspanntes Miteinander zwischen Mensch und Tier sorgen, ist individuell auszutesten.

Denn jeder Allergiker reagiert durchaus anders. Deshalb sollten sich Hundeinteressierte vor dem Kauf der Lieblingsrasse möglichst häufig mit dieser umgeben und diesen im Tierheim oder beim Züchter in regelmäßigen Abständen besuchen. Ist zunächst keine Allergie bekannt oder entsteht diese erst im Kontakt mit dem Hund, können eine Desensibilisierung oder spezielle allergiemindernde Medikamente für die Linderung der Symptome sorgen. Zusätzlich sollten sich möglichst nach jedem Kontakt mit dem Vierbeiner die Hände gewaschen, Teppiche regelmäßig gesaugt und entstaubt sowie der Hund von Sofa oder Bett ferngehalten werden.

Wasserhunde wurden aber nicht nur als Begleiter der oberen Zehntausend bekannt, sondern auch durch ihre Allergikerfreundlichkeit. (#01)

Wasserhunde wurden aber nicht nur als Begleiter der oberen Zehntausend bekannt, sondern auch durch ihre Allergikerfreundlichkeit. (#01)

3. Spezielle Optik: Ob nackt, gedreadlockt oder blauzüngig

Ob wild wie ein Löwe oder glatt-glänzend: Das Fell bestimmt zu großen Teilen die Optik des Vierbeiners – und zwar durch Farbe und Struktur. Sogar innerhalb einzelner Rassen kann das Fell verschiedenste Optiken aufweisen. In der Familie der Dachshunde ist raues, langes oder kurzes Fell, welches unter anderem braun, schwarz-rot oder saufarben sein kann, vertreten.

Besondere Fellmusterungen ergeben sich gerade bei Mischlingen: Weißes Fell mit schwarzen Streifen erinnert an Zebras, runde-schwarze Kreise um die Augen setzen dem Hund eine Fellbrille auf und schwarze Punkte auf braunem Fell machen den Vierbeiner optisch zum Leopard. Es gibt diverse Musterungen, die das Hundefell einzigartig machen. Während sich einige der besonderen Felldetails oft durch die Kreuzung verschiedener Rassen ergeben, ist das Fell bei anderen Rassen sozusagen von Natur aus einzigartig und sticht ins Auge.

So wie beim Bergamasker Hirtenhund, der früher noch unter dem Namen Cane delle Alpi (Alpenhund) bekannt war. Seine Fellstruktur erinnert aufgrund von verfilzten Fellsträngen, die bis über die Füße hinabhängen können, an Dreadlocks. Das Fell verfilzt von ganz allein. Die spezielle Felloptik macht diese Rasse nicht nur optisch einzigartig, sondern schützt den Vierbeiner vor warmen und kalten Temperaturen sowie vor Verletzungen.

Dagegen verschafft dem Chow-Chow seine blaue Zunge Einzigartigkeit. Woher die Rasse ihre blaue Zunge hat? Darüber sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Es wird jedoch vermutet, dass es mit der Durchblutung oder der Temperaturregulierung im Körper zusammenhängt. Der Zunge der Schnüffelnase mit plüschigem Fell, wurde im alten China unter anderem eine besondere Heilkraft nachgesagt.

Einer seiner tierischen Kumpanen, der Norwegische Lundehund, verfügt zwar nicht über eine blaue Zunge, aber an den Pfoten hat er sechs anstelle von vier Zehen. Er zählt zu den ältesten Hunderassen Norwegens. Einzigartig machen den Lundehund neben der Zehenanzahl folgende Fähigkeiten: Er kann die Ohren durch einen zuklappbaren Knorpel verschließen, seine Vorderbeine zum Spagat auseinanderspreizen und den Kopf so nach hinten wegdrehen, dass dieser auf den Schultern aufliegt.

Ob wild wie ein Löwe oder glatt-glänzend: Das Fell bestimmt zu großen Teilen die Optik des Vierbeiners

Ob wild wie ein Löwe oder glatt-glänzend: Das Fell bestimmt zu großen Teilen die Optik des Vierbeiners (#02)

4. Helfende Pfoten: Ausgebildete Vierbeiner mit schnüffelndem Einfühlungsvermögen

Den vierbeinigen Menschenfreund machen aber nicht nur optische oder herkunftsbedingte Merkmale oder Wesenszüge einzigartig, sondern zudem ihre helfenden Pfoten beziehungsweise helfenden Nasen. Sie durchlaufen spezielle Ausbildungen, um Menschen das Leben retten zu können. Einige Vierbeiner sind schon seit langem auf den Polizeistationen und bei der Bergrettung aktiv. Jedoch können Hunde noch vielmehr leisten.

Im Jahr 2003 haben kanadische Forscher herausgefunden, dass etwa 15 Prozent der Vierbeiner epileptische Anfälle erahnen können. Bei der besonderen Ausbildung zum Epilepsiewarnhund wird sich die ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit und das Feingefühl der Hunde für Veränderungen im menschlichen Körper zunutze gemacht. Hunde können somit auch im häuslichen Umfeld als treue Begleiter Leben retten. Trainer des Deutschen Assistenzhunde-Zentrums bilden neben Epilepsie-, Diabetiker-, Asthma- und Schlaganfallwarnhunde, Mobilitäts- und Demenz-Assistenzhunde aus.

Letztere werden vor allem hinsichtlich des demographischen Wandels immer interessanter, da die Menschen zunehmend älter werden und sich so altersbedingte Krankheiten zwangsläufig noch weiter verbreiten werden. Somit verfügen Vierbeiner auch über die Eigenschaft einen Beitrag für das gesellschaftliche Wohl leisten zu können. Das zeigt sich zudem in der Arbeit als Artenschutzspürhund. Die Artenschutzspürhunde sorgen sozusagen für das tierische Wohl und kommen im Auftrag gegen den Artenschmuggel zum Einsatz:

Video: Elfenbein im Koffer? Diese Hunde riechen das!


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Über Sabrina Müller

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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