Anämie (Blutarmut) beim Hund: Ursachen, Symptome & Behandlung

Ist der Hund schlapp und hat wenig Appetit? Das kann eine Anämie sein. Bei Verdacht auf Blutarmut beim Hund sollten Besitzer schnell den Grund klären, um mit der geeigneten Behandlung zu starten.

Blutarmut beim Hund: Harmlose oder ernste Ursache?

Eben noch putzmunter, jetzt schwerkrank: Eine Blutarmut beim Hund geht manchmal schnell und bedarf dringender Klärung. Das Problem ist dabei weniger die Anämie an sich, also der Mangel an roten Blutkörperchen und des Farbstoffs Hämoglobin.

Die Ärzte müssen vielmehr klären, welche genaue Ursache hinter dem Krankheitsbild steckt. Das können Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Vergiftungen (häufig mit Rattengift) oder Tumore sein. Infrage kommen aber auch Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder Schädigungen innerer Organe wie Leber und Nieren.

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Wie erkennen Hundebesitzer eine Anämie?

Die Symptome sind unspezifisch: Der Hund kann müde oder sogar apathisch wirken. Manche Vierbeiner torkeln herum und verweigern die Nahrungsaufnahme. Andere zeigen einen erhöhten Herzschlag, sind kurzatmig und ihre Schleimhäute wirken blass. Jeder Hundehalter sollte bei diesen Anzeichen nicht zögern und den Tierarzt konsultieren.

Um den Verdacht einer Anämie zu bestätigen, benötigen die Ärzte zunächst ein kleines Blutbild. Für die genaue Spezifizierung sind weitere Untersuchungen notwendig.

Blutarmut beim Hund: Im Notfall Bluttransfusion nötig

Kommt es in der Folge zu einer akuten Blutarmut beim Hund, bleibt dafür erstmal keine Zeit. Rote Blutkörperchen und Hämoglobin werden in einem solchen Fall schnell zerstört und der vierbeinige Patient benötigt sogar eine Bluttransfusion.

Diese Notfallmaßnahme stabilisiert das Tier, bevor die eigentliche Ursache geklärt ist. Leider kann dieser Prozess etwas dauern. Bis dahin erfolgen regelmäßige Kontrollen des Hundes und seinem Blutbild. Die spätere Behandlungsdauer hängt dabei vom Grund der Blutarmut beim Hund ab.

Die ersten Symptome einer Anämie sind Appetitlosigkeit und ein erhöhtes Schlafbedürfnis. (#1)

Die ersten Symptome einer Anämie sind Appetitlosigkeit und ein erhöhtes Schlafbedürfnis. (#1)

Tückische Anämie: Ärzte rätseln häufig über die Ursache

Die Ursachen für Blutarmut beim Hund sind vielfältig. Selbst erfahrene Tierärzte benötigen manchmal Wochen, um die Grunderkrankung zu finden. Geschwüre sind eine Möglichkeit, aber auch Parasiten wie Flöhe oder Fadenwürmer.

Die Formen der Behandlungen reichen dabei von der Entfernung bestimmter Tumore mittels OP ähnlich wie bei der Keratose über Medikamente bis hin zu Entwurmungen und Befreiung der Tiere von im Körper sitzenden Schädlingen.

Blutarmut beim Hund: Oft stecken Autoimmunerkrankungen dahinter

Als eine häufige Ursache gilt die hämolytische Anämie. Die Autoimmunerkrankung richtet sich gegen den eigenen Körper. So greift das Immunsystem des Hundes rote Blutkörperchen an und transportiert diese zur Milz. Als Folge zerstören sich diese. Um die Zerstörung der roten Blutkörperchen und damit die Blutarmut beim Hund zu verlangsamen, behandeln Ärzte die Vierbeiner mit Immunsuppressiva (reduziert Aktivität des Immunsystems) und Kortikosteroiden, einem Hormon der Nebennierenrinde. In einigen Fällen hilft auch die komplette Entfernung der Milz, um die Anämie zu verlangsamen.

Das Ziel jeder Behandlung bei Blutarmut: Gesunde Vierbeiner mit viel Power. (#2)

Das Ziel jeder Behandlung bei Blutarmut: Gesunde Vierbeiner mit viel Power. (#2)

Blutarmut beim Hund: Natürliche Helfer als zusätzliche Maßnahme

Ist die Ursache geklärt, können natürliche Mittel helfen, den gesundheitlichen Zustand des Hundes zu verbessern. Eisen kann dabei die Fähigkeit des Körpers erhöhen, lebenswichtigen Sauerstoff zu transportieren. Eine gekochte Leber mit ihrem hohen Anteil an Eisen sollte deshalb ab und zu auf dem Speiseplan stehen. Auch Kräuter wie Brenneseln sind eisenhaltig und eine gute natürliche Ergänzung zur Behandlung von Blutarmut beim Hund.

Lässt sich eine Anämie verhindern?

Das ist nicht möglich. Denn die Grunderkrankung des Hundes ist das entscheidende Problem. Ziel muss sein, zur schnellen Diagnose Anämie zu kommen und als Folge die Ursache der Blutarmut beim Hund festzustellen. Damit verbessert sich insgesamt die Prognose des Tieres. Es ist gerade bei diesem Krankheitsbild wichtig, schnell zu handeln. Damit eine leichte Form der Anämie nicht zu einer schweren übergeht, sollte der Tierbesitzer seinen Vierbeiner regelmäßig auf übliche Symptome wie Schlappheit oder blasse Schleimhäute überprüfen.

Der Tierarzt klärt die genaue Ursache der Anämie und startet mit der Behandlung. (#3)

Der Tierarzt klärt die genaue Ursache der Anämie und startet mit der Behandlung. (#3)

Blutarmut beim Hund: Typischer Verlauf einer autoimmunhämolytischen Anämie

Untersucht der Halter sein Tier, spürt er Veränderungen. Jeder Hundehalter, der sich mit seinem Haustier beschäftigt, bemerkt Änderungen im Verhalten. Das früher so lebendige Tier wirkt müde, teilnahmslos und frisst immer weniger. Es hat Atemprobleme und hechelt verstärkt.

Das Problem: Diese Auffälligkeiten können verschiedenste Ursachen haben. Es kann sich zum Beispiel um eine Erkrankung der Schilddrüsen handeln oder der Vierbeiner ist schlicht zu müde, weil er aufgrund ständigen Lärms in der Umgebung keine Ruhe findet. Nur die wenigsten Besitzer denken, es könnte mit einer Blutarmut beim Hund zusammenhängen.

Besorgte Frauchen oder Herrchen werden bei solchen Symptomen schnell einen Tierarzt konsultieren. Dieser entnimmt dem Tier Blut und kann seine Diagnose Blutarmut beim Hund stellen. Ist jetzt alles gut und kann dem Hund schnell geholfen werden? Leider nein. Manchmal bekommen die Tiere zunächst Vitamin K gespritzt, weil Vergiftungen durch Rattengift befürchtet werden.

Erst nach weiteren Untersuchungen kann es dann heißen: Autoimmunhämolytische Anämie. Diese kann unterschiedliche Ausprägungen haben. Manchmal ist ausreichend, das Tier mit Medikamenten zu versorgen. Bei akuten Verläufen ist aber häufig eine Bluttransfusion die letzte Rettung fürs Tier.

Formen der autoimmunhämolytischen Anämie

Bei der autoimmunhämolytischen Anämie richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper und bildet Antikörper gegen die roten Blutkörperchen. Für Fresszellen ist dies ein Signal, diese zu zerstören. Wichtig: Dieser Prozess der Antikörperbildung passiert im Wesentlichen auch bei Tumoren oder Formen davon wie Keratose und kann durch Impfungen hervorgerufen werden. Erst wenn diese Ursachen ausgeschlossen sind, ist sehr wahrscheinlich, dass das eigene Immunsystem Schuld an der Blutarmut beim Hund hat.

Damit die Behandlung wirklich anschlägt, muss die genaue Art der autoimmunhämolytischen Anämie ermittelt werden: Es kann sich zum Beispiel um Membrandefekte der roten Blutkörperchen handeln, eine genetische Ursache für die Blutarmut beim Hund.

Oder es herrscht ein Mangel an Hämoglobin, welches für die Bildung der roten Blutkörperchen im Knochenmark unverzichtbar ist. Bei einem solchen Mangel geht immer ein kleiner Anteil Eisen verloren. Zwar gewinnt der Körper beim Abbau der roten Blutkörperchen einen Großteil des im Hämoglobin vorhandenen Eisens zurück. Ist die Fehlmenge aber zu groß, entsteht diese Form der autoimmunhämolytischen Anämie.

Ohne einen gesunden Familienhund sind Eltern und Kinder nicht glücklich. (#4)

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Blutarmut beim Hund: Immunsystem zerstört Stammzellen im Rückenmark

Bei der Autoimmunhämolyse wiederum zerstört das Immunsystem gezielt die Stammzellen im Rückenmark, wo die roten Blutkörperchen gebildet werden. Aus noch nicht geklärten Gründen identifiziert der eigene Körper diese Blutkörperchen als Fremdkörper.

Schlussendlich gibt es eine letzte, sehr seltene Art: Die induzierte hämolytische Anämie. Verursacht durch die Einnahme von Medikamenten, welche das Immunsystem veranlassen, Antikörper gegen rote Blutkörperchen zu bilden. In schweren Krankheitsbildern tritt diese Anämieform als Blutvergiftung, hämolytisch-urämisches Syndrom (Erkrankung der kleinen Blutgefäße) oder Pneumonie auf.

Blutarmut beim Hund: Behandlungen zur Genesung des Vierbeiners

Ist eine dieser Anämie-Formen erkannt worden, beginnt die eigentliche Therapie. Ein Klassiker in der Behandlung einer Blutarmut beim Hund sind Kortikosteroiden. Ein Steorid der Nebennierenrinde. Es ist nicht das ultimative „Heilmittel“. Es lassen sich aber vor allem schwere Verläufe in Kombination mit Immunsuppressiva besser kontrollieren.

Wichtig: Die Ärzte müssen sehr genau auf die richtige Dosierung achten, da bei falscher Anwendung schwere Nebenwirkungen drohen, welche den Erfolg der ganzen Behandlung gefährden würden.

Weitere Behandlungsmethode: Die schon erwähnte Blutübertragung bei schweren Verläufen. Fällt der Hämoglobinwert drastisch, ist diese Maßnahme notwendig. Ärzte führen die Therapie aber nur bei akuter Lebensgefahr durch, weil sich durch die Zuführung von Fremdprotein der Krankheitszustand einiger Hunde verschlimmern kann.

Und wenn die vierbeinigen Patienten auf diese und andere Behandlungen schlecht reagieren? Dann kann überraschenderweise auch menschliches intravenöses Immunglobulin für eine Therapie gegen Blutarmut beim Hund eingesetzt werden.

Als ein sinnvoller Schritt bei nicht therapierbaren Fällen hat sich die operative Entfernung der Milz (Splenektomie) erwiesen. Der Vorteil: Weniger Antikörper gegen die roten Blutkörperchen werden erzeugt. Als Folge verbessert sich der Allgemeinzustand vieler Hunde. Ergänzende Maßnahmen zur Stärkung der Hundegesundheit sind Infusionen gegen Austrocknung des Körpers sowie eine exakt dosierte Menge an Folsäure.

Blutarmut beim Hund: Heilungschancen

Die gute Nachricht: Eine Anämie beim Hund kann geheilt werden. Das Heimtückische ist aber, die richtige Form der Blutarmut zu erkennen und anschließend eine individuell wirksame Therapie zu starten. Da können wertvolle Stunden oder Tage verstreichen, an denen das geliebte Haustier leidet oder im schlimmsten Fall wie etwa jedes dritte Tier daran verstirbt.

Speziell, wenn die Blutarmut beim Hund als Folge von Blutvergiftungen oder Lungenentzündungen auftritt, muss sehr schnell diese Grunderkrankung ausgeheilt werden. Und auch danach verlaufen viele Fälle chronisch. Erforderlich ist dann eine lebenslange engmaschige Betreuung durch den Tierarzt.


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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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